Hilfe, die nichts kostet

Die Tür geht auf. Eine alte Frau und ein alter Mann steigen ein. Beide wirken gebrechlich. Er stütz sich auf sie. Sie führt ihn liebevoll zu einem Sitzplatz, hilft ihm, sich zurechtzufinden. Zwei Stationen später steigen sie wieder aus. Weil er nur langsam gehen kann, führt sie ihn schon mal zur Tür und setzt sich selbst noch einmal hin. Er hält sich an der Stange fest, sucht mit der anderen Hand eine weitere Möglichkeit, sich festzuhalten. Dabei kommt er einer Frau zu nahe. Sie sagt nicht. Guckt nur irgendwie komisch. Ich habe den Eindruck, es ist ihr mehr als unangenehm. Er findet Halt. Die Bahn hält an und die Tür öffnet sich. Die alte Frau steht hinter ihm, führt ihn aus der Bahn. Und ich kann nicht anders. Biete ihm meinen Arm als Stütze, die er dankbar annimmt und geleite ihn sicher aus der Bahn. Die alte Frau bedankt sich und da erst scheint er zu bemerken, dass ich eine Fremde bin. Er bedankt sich herzlich, wünscht mir einen schönen Tag. Hilfe, die nichts kostet aber glücklich macht.

Gerade wird wieder viel geholfen. Den Flüchtlingen, die gerade alles verlieren. Wir spenden Zeit oder auch Dinge, die wir nicht mehr brauchen. Wir spenden Geld und manch einer beruhigt damit vielleicht sein Gewissen. Aber viel zu oft vergessen wir diejenigen, die direkt neben uns stehen….

Zug fahren….

…ist anders als Bahn fahren. Man sitzt mehr für sich allein. Man hört zwar die Gespräche, aber wenn man so klein ist, wie ich, sieht man die sprechenden Personen nicht. Vor mir liegt eine etwas mehr als einstündige Zugfahrt. Zeit zum Lesen, Zeit zum Schreiben, Zeit zum Nachdenken.
Oder auch einfach Zeit, um in die Landschaft zu schauen. Wie oft sitzen wir am Fenster und schauen gar nicht hin? Eine Abwandlung an eine Liedzeile aus einem Song von Johannes Oerding. Also entscheide ich mich hinaus zu schauen und genieße die Fahrt mit Nichts tun 🙂

Mittwoch

Wochenteiler….zumindest für diejenigen, die von Montag bis Freitag arbeiten. Ich ja bei mir seit fast zwei Jahren wieder so. Davor habe ich im Schichtdienst gearbeitet. Da spielten solche Tage keine Rolle.
Nach der Arbeit war ich zu einer Probestunde auf der Kunstschule. Aber das ist eine Story für die Malgeschichten. Ich sitze ziemlich müde in der Bahn und freue mich auf zu Hause…
Mist…jetzt bin ich raus aus meinen Gedanken.
Gerade saß hier ein Mann, der mit einer imaginären Person geschimpft hat. Lauthals, und der Stimme nach zu urteilen und so wie er gestikulierte, sehr wütend. Ich war schon lange nicht mehr abends in Berlin unterwegs. Nach fast zwei Jahren Corona muss man sich an manches wohl erst wieder gewöhnen. Früher hat mich so etwas eher amüsiert, als irritiert oder beängstigt. Aber für diese Menschen ist es wahrscheinlich ähnlich. Plötzlich sind wieder jede Menge Menschen unterwegs….

Jetzt wird es ernst

In den letzten Wochen und Monaten habe ich viel probiert. Videos angeschaut, verschiedene Online-Kurse absolviert, Tutorials angesehen, Bücher gelesen. Das alles war hilfreich und hat mich auf meinem Weg schon sehr viel weiter gebracht, als ich es je für möglich gehalten hätte. Aber irgendwas hat mir die ganze Zeit gefehlt. Die praktische Unterstützung, die Möglichkeit Fragen zu stellen oder Tipps zu bekommen. Ich habe lange überlegt und immer wieder mal im Netz nach einer passenden Lösung gesucht und sie nun gefunden.
Heute hatte ich eine Probestunde in der Kunstschule Berlin. Ich habe mir überlegt, den Basiskurs Zeichnen zu Belegen. Und nach meiner Schnuppereinheit heute, steht mein Entschluss fest. Da ich bald Geburtstag habe, lasse ich mir einen Teil für die Kosten von meinen Lieben schenken und dann lerne ich noch mal von der Pieke auf. Ich freu mich drauf. Auch wenn es eine anstrengende Zeit wird. Die 1,5 Stunden heute vergingen wie im Flug, aber danach war ich auch völlig kaputt. Aber schön kaputt. Entspannt, müde aber glücklich 🙂

Oben das ist meine Orange. Und so, wie die vom Lehrer unten, wird sie dann mal aussehen, wenn ich den Basiskurs geschafft habe…

Im letzten Augenblick

Menschen warten auf ihre Bahn. Die Sonne scheint. Es ist kalt, aber der Frühling lässt sich erahnen. Ich lasse meinen Blick schweifen. Die meisten schauen in ihr Handy oder hören Musik.
ER nicht. Genau wie ich, lässt er seinen Blick schweifen. Bleibt kurz an meinem hängen und schaut weiter. So wandern unsere Blicke ein paar Mal hin und her. Peinlich darauf achtend, den anderen nicht zu lange anzusehen.

Meine Bahn kommt. ER hat sie auch gesehen. Ein letzter Augenblick. Diesmal bleiben wir hängen, bemüht, keinerlei Reaktion zu zeigen. Und dann können wir gar nicht anders. Er weiß es, ich weiß. Und jetzt lachen wir.
Energie pur

Montag

Montag Morgen. Heute ist Teamsitzung und ich daher etwas früher unterwegs als üblich. Die Bahn kommt, ich steige ein. Will schon nach vorne, einen Sitzplatz suchen, als mir mein Vorsatz wieder einfällt. Ich hab mich schon fast nach links gedreht, als mir bewusst wird, dass da vorne jemand sitzt, den ich kenne. Ich schaue noch mal….ja richtig. Da sitzt unser lieber Freund Erik. Ihm gegenüber ist ein Platz frei. Heute wird nicht beobachtet. Heute wird erzählt. Vom Wochenende. Wie schön das Wetter war. Wie sehr ich es genossen habe, dass wir auf dem Ankerplatz waren. Wie gut, dass er Torsten gestern Abend noch mit einer Web-Cam aushelfen konnte.

Beim Abschied die üblichen Sätze. Schönen Tag, lass dich nicht ärgern. Und zum Schluss noch: „Bist du Freitag dabei?“ Kurz überlegen….ja richtig. Da war ja was. Freitag gehen wir bowlen und anschließend in den Irish Pub. Klar bin ich dabei. Juchhu…endlich wieder Freunde treffen, ausgehen, Spaß haben. „Aber diesmal passen wir besser auf uns auf“, und schlagartig ist der letzte Ausflug dieser Art wieder präsent. Fast ein Jahr her…..ich freu mich drauf 🙂

Frühjahrsputz

Die Sonne scheint. Von Tag zu Tag wird es wärmer. Heute ist kalendarischer Frühlingsanfang. Zeit, sich auf die neue Saison vorzubereiten. Wohnwagen lüften und putzen. Hütte lüften und putzen. Stühle raus und draußen sitzen, solange es geht. Zum Übernachten ist es noch zu kalt. Aber gestern und heute waren wir auf dem Ankerplatz und ich freue mich darauf, bald die Wochenenden wieder dort draußen verbringen zu können 🙂 ich hoffe, dass es zu Ostern klappt….

Energie

Der Frühling ist im Anmarsch…endlich :). Mit ihm kommt die Sonne und die Wärme allmählich zurück. Auf dem Weg zur Arbeit gingen mir heute viele Sachen durch den Kopf. Zu aller erst wurde mir klar, dass ich eine Gewohnheit ändern muss. Wenn ich Bahn fahre, steige ich gerne dort ein, wo ich am Zielbahnhof auch aussteigen muss. Soll heißen, wenn mein Ausgang am Ende der Bahn liegt, steige ich hinten ein. Liegt er vorne, dann eben vorne. Und ich fahre nicht gern rückwärts. Aber wenn ich Menschen beobachten und Geschichten sammeln will, dann sollte ich mittig einsteigen. Natürlich bin ich abends wieder vorne eingestiegen. Gewohnheiten ändern braucht eben Zeit.

Ein zweiter, wichtiger Gedanke war die Frage, woher gerade all die Energie kommt, die ich in mir spüre. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viel davon hatte und das Gefühl hatte, ganz bei mir zu sein. So viele Ideen im Kopf und so wenig Zeit, sie umzusetzen. Aber es ist ja nicht die Zeit, die man nicht hat…..ihr kennt den Spruch.
Der Frühling trägt sicherlich seinen Teil dazu bei. Aber das alleine ist es nicht. Die letzten zwei Coronajahre haben mir vieles abverlangt. Allem voran den Glauben an unsere Politik und unsere Gesellschaft. Alles, was für mich richtig und wichtig war, wurde in Frage gestellt. Selber denken und eigene Schlüsse ziehen, war noch nie so unerwünscht, wie heute.
Diese Politik und ihre Politiker sind nicht mehr meine. Das gilt für alle Parteien. Und diese Gesellschaft? Ich bin erschüttert würde es nicht annähernd beschreiben. Das und noch einige andere Erlebnisse und Erfahrungen haben mich sehr auf mich zurückgeworfen. Ich war zwischendurch sehr mit mir selber beschäftigt. Dabei bin ich auch in eine Depression gerutscht, aus der ich mich langsam wieder rausgekämpft habe. Allerdings mit dem Wissen, dass sie ein Teil von mir ist, der mich immer wieder mal in die Knie zwingen wird.
Ich habe mich verändert. Bin jetzt mehr bei mir, als immer nur bei den anderen. Ich kümmere mich besser um mich, achte auf mich und probiere mich aus. Im Malen, im Schreiben, in Gelassenheit, in Grenzen setzen und selber einhalten. Diese Energie ist positiv und ich mag sie gerade sehr. Ich hoffe, ich kann sie halten. Darüber nachgedacht, was der Auslöser war, kamen mir die Bücher von Lars Amend in den Sinn. Seine Bücher sind unterschiedlich, die Kernaussage für mich war stets die Selbe. ‚Nicht träumen und darüber nachdenken, was wäre wenn oder was alles schief gehen könnte, sondern in Bewegung kommen und machen‘. Scheitern heißt für ihn nicht versagen, sondern lernen und es anders versuchen.
Vielleicht kann ich nicht malen, vielleicht werde ich nie ein Buch schreiben. Dafür schreibe ich jetzt einen Blog den andere ja vielleicht gern lesen. Ich male meine Bilder so gut ich kann, und irgendwem werden sie sicher gefallen. In allererster Linie mache ich das alles aber für mich. Weil ich mich dabei entspannen kann, weil ich Gesehenes und Erlebtes verarbeite und reflektiere. Weil es mir einfach riesigen Spaß macht. Und das setzt wiederum neue Energien frei. Irgendwie ein schöner Kreislauf

Der Überlebensschluck

Vor ein paar Wochen stieg ich in die U-Bahn und setzte mich neben eine ältere Dame. Uns gegenüber saß eine Frau, die in ihr Handyspiel vertieft war. Die alte Dame kramte in ihrer Handtasche und wir äugten immer wieder mal neugierig hinüber. Sie zog einen kleinen Stoffbeutel heraus, öffnete den kleinen, roten Verschluss eines Behältnisses und nahm erst mal einen Schluck. Die Sitznachbarin gegenüber und ich sahen uns kurz an und mussten grinsen. In unserem Kopf spukte in dem Augenblick wohl der gleiche Gedanke. ‚ Aha….so eine ist das also.‘
Nachdem sie alles wieder ordentlich verstaut hatte, stand sie auf, stellte sich an die Tür und fuhr noch einige Stationen weiter. Natürlich wissen wir nicht, was wirklich in der Flasche drin war. Das war ja auch so gewollt. Wie eine Alkoholikerin sah sie aber auch nicht aus. Klingt jetzt nach Vorurteil. Aber nach meiner Erfahrung sieht man es besonders Frauen häufig an, wenn sie ein Problem mit zu viel Alkohol haben. Und ja….vielleicht war es ja wirklich nur Wasser und sie wollte keine Werbung machen

Feierabend

War ein langer Tag und ich bin froh, dass ich jetzt nach Hause fahren kann. Ein Kind schaut sich auf dem Handy ein Video an. Ein anderes schreit im hinteren Teil der Bahn immer wieder mal laut herum. Eine junge Frau zieht ihren Schlüssel aus der Handtasche hervor. Sie steigt sicher gleich aus..
Viele hier haben jetzt, wie ich, Feierabend und freuen sich auf zu Hause. Also, ich hoffe, dass sie sich freuen. Auf ihren Partner, ihre Kinder, den Hund oder die Katze. Auf ein kleines oder großes Abendessen, ein heißes Bad, auf dem Sofa liegen und einen Film schauen. Vielleicht schauen sie sich die Nachrichten des Tages an oder vermeiden es, genau wie ich.
Alles ganz normal, alles ganz friedlich. In Zeiten wie diesen ein Privileg, das man oft nicht zu schätzen weiß. Gar nicht weit von uns tobt ein unnötiger und sinnloser Krieg. Diese Menschen wären wohl froh, wenn sie jetzt auch Feierabend hätten…